von Hermann Ludwig

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Triathlet Tim Rose aus Scherfede hat große Ziele

Ein lang gehegter Jugendtraum ist für Tim Rose aus Scherfede schon in Erfüllung gegangen - die Teilnahme am berühmten Ironman Hawaii. Mehr als 200 Triathleten aus Deutschland waren 2018 dabei, er stand allerdings besonders im Fokus, war er doch mit seinen 21 Jahren der jüngste Deutsche an der Startlinie in Kailua-Kona auf Hawaii. Der sportliche Allrounder hat 2013 mit dem Triathlon angefangen und seitdem war dieser spektakuläre Ironman, wie bei vielen Triathleten, das große Ziel. „Dass es beim Ironman in Maastricht dann gleich beim ersten ernsthaften Versuch mit der Qualifikation geklappt hat, war natürlich eine super Sache“, resümiert Rose.

Nach 10:04 Stunden überquerte er in Maastricht als Erster der Altersklasse 18 bis 24 nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,2 Kilometern Laufen die Ziellinie und sicherte sich so einen der begehrten Startplätze für den legendären Triathlon. Bei der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii stand dann bei tropischer Hitze die „mega-Herausforderung“ an, für die sich der Student an Ort und Stelle drei Wochen vorbereitete. Geschwächt durch eine starke Erkältung in der Rennwoche, lief der Wettbewerb dann aber nicht erwartungsgemäß. Rose musste sich insgesamt vier Mal übergeben und hat-
 

Auf der Suche nach dem
eigenen Limit

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Nach Schwimmen und Radfahren gilt es beim Triathlon, den richtigen Rhythmus auf der Laufstrecke zu finden. 
Foto: privat

Seine ausgezeichneten Leistungen auf dem Rennrad sind bei Tim Rose aus Scherfede maßgeblich daran beteiligt, dass der Triathlet bei den Wettkämpfen immer wieder auf den vorderen Plätzen landet. Foto: privat

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te mit Energiemangel und Magenkrämpfen zu kämpfen. 
Das ganze Jahr über habe er keine Erkältung gehabt, aus­gerechnet auf Hawaii hatte es ihn erwischt. Am Ende stand eine Zeit 11:04:06 auf dem Zieltor am legendären Ali‘i Drive. Für Rose eine eigentlich indiskutable Zeit, aber angesichts der Rahmenbedingungen war das schnell weggesteckt. Allein bei diesem Wettbewerb im Konzert der großen Triathleten dabei zu sein, war alle Mühen wert.


Dass er sich überhaupt hat qualifizieren können, war für den Scherfeder angesichts des schlechten Starts in das Jahr 2018 ohnehin ein Wunder. Tim Rose war im Februar auf Lanzarote bei stürmischen Bedingungen mit dem Rad gestürzt und hatte sich den linken Arm gebrochen. Diag­nostiziert wurde der Bruch erst vier Wochen später und entgegen der ersten Annahme, dass der Bruch von alleine in sechs Wochen verheilen wurde, musste der Arm Ende April doch operiert werden. Damit war die Saison 2018 für ihn eigentlich gelaufen, doch mit dem ihm eigenen Durch­setzungswillen, Disziplin und angesichts des Handicaps klug angepasstem Training schaffte er das sportliche Wun­der, wobei der Kern die große Selbstmotivation und die Liebe zu seinem Sport ist.


„Ich liebe es einfach, draußen in der Natur zu sein und Sport zu machen“, fasst Tim Rose zusammen, der zugleich einräumt, dass auch bei ihm der „innere Schweinehund“ bisweilen überwunden werden muss. „Es ist nicht immer einfach, morgens um kurz vor Sechs aufzustehen, um das Schwimmtraining anzugehen oder sich bei schlechtem Wetter aufs Rad zu setzen.“ Das Wissen um die Wirkung des Trainings hilft ihm dann aber auch, wenn er erneut zehnmal einen Kilometer mit allem, was in ihm steckt, um den Hüffert Sportplatz in Warburg rennt oder harte Inter­valle in den Warburger Bädern schwimmt. Ab dem kom­menden Jahr hofft der Triathlet, dann seine Laufintervalle auf der neuen Sportanlage in der Diemelaue absolvieren

Tim Rose fühlt sich seiner Heimatregion eng verbunden und nimmt deshalb gerne an Veranstaltungen vor Ort teil. 
Hier verlässt er gerade den Godelheimer See nach der Schwimmstrecke beim Weserbergland Triathlon.
Foto: privat

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Anschluss belohnte sich die Familie mit einem Kurzurlaub auf der Trauminsel.
Das Jahr 2019 brachte wieder einige sportliche Erfolge, unter anderem konnte sich Tim Rose bei der Weltmeister­schaft der Challenge Family über die halbe Ironman-Dis- tanz von 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfah­ren und 21 Kilometer Laufen nach 4:24 Stunden den fünften Platz in der Altersklasse 18 bis 24 erkämpfen. 
Anfang August setzte er dann ein sportliches Ausrufezei­chen: Er startete mit über 300 anderen Einzelathleten beim Ostseeman in Glücksburg über die Langdistanz von 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren, sowie 42,2 Kilometern Laufen und konnte sich in einem fast perfekten Rennen nach 9:13 Stunden den fünften Platz in der Gesamtwertung erkämpfen. Nach 1:05 Stun­den Schwimmen in kabbeliger See ging es dann auf die 180 Kilometer lange Radstrecke, die in sechs Runden rund um Glücksburg absolviert werden musste. „Ich habe mich von Anfang an richtig gut gefühlt. Nach­dem ich die erste Runde in 45 Minuten absolviert hatte, wusste ich, dass es ein sehr schnelles Radfahren werden würde. Von Runde zu Runde wurde es allerdings etwas windiger, was mir vor allem auf den letzten 60 Kilometern etwas zugesetzt hat. Nichtsdestotrotz konnte ich meine geplanten 230 Watt Durchschnittsleistung ziemlich kons­tant durchfahren“, erinnert sich Rose gerne an den erfolg­reichen Tag. Die Radzeit von 4:41 Stunden war die dritt­schnellste. Lediglich der spätere Sieger Till Schramm sowie der zweitplatzierte Christian Altstadt - beides Pro­fiathleten - waren sieben Minuten schneller auf dem Rad.
Seine erste Erfahrung mit dem Triathlon hat der Student

Mit einer Durchschnittsleistung von 230 Watt tritt Tim Rose in die Pedale und lässt somit manche Mitstreiter hinter sich. Foto: privat

TRIATHLET TIM ROSE AUS SCHERFEDE

zu können. „Ich habe mich richtig gefreut, als ich von den Renovierungsplänen gehört habe. Der Sportplatz in der Diemelaue ist malerisch gelegen und dort auf einer nagel­neuen Bahn laufen zu können, macht noch einmal mehr Spaß.“


Sein Training gestaltet er mit professioneller Unterstüt­zung von Coach Lukas Naegele abwechslungsreich, dabei wird auch konzentriert an der Geschwindigkeit gefeilt. 
Gerade in der Phase über den Winter, wenn noch keine spezifischen Langdistanz-Einheiten auf dem Trainingsplan stehen, gehören zum Beispiel kurze, hochintensive Inter­valle mit ins Training. Die Egge bietet dazu die passenden Höhenmeter und ein schönes Naturpanorama, was das Laufen abwechslungsreich macht.


Neben den Rennen auf der Mittel- und Langdistanz startet der Scherfeder Ausdauerathlet aber auch immer bei heimi­schen Wettkämpfen, wie beispielsweise dem Warburger Diemellauf oder dem Weserbergland Triathlon. „Ich finde es super wichtig, die heimischen Wettkämpfe zu unter­stützen. Meiner Heimatregion fühle ich mich sehr verbun­den. Außerdem sind die Rennen immer liebevoll organi­siert und bieten mir eine hochklassige Trainingseinheit“, so Tim Rose, der trotz seines jungen Alters gezielt an der Weiterentwicklung auf der zeitaufwändigen Langdistanz arbeitet. Mit seinem Fernstudium Sportmanagement an der Hochschule Wismar lässt sich das gut vereinbaren.


Tim Roses wichtigste Unterstützer sind ohne Frage seine Eltern Gaby und Markus sowie Bruder Luca, die selbst alle auch sportlich aktiv sind. „Ohne ihre kompromisslose Be­reitschaft, mich immer zu unterstützen und für mich da zu sein, wenn ich sie brauche, könnte ich den Sport nicht auf diesem Level absolvieren“, weiß Tim Rose. „Der fami­liäre Rückhalt ist insbesondere am Renntag sehr wichtig, und wir sind da mittlerweile ein sehr gut eingespieltes Team, das war auch auf Hawaii so“, sagt der 22-Jährige. Im

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In Glücksburg setzte Tim Rose ein sportliches Ausrufezeichen: Beim Ostseeman TriathLon hotte er nach starker Leistung in 9:13 Stunden den fünften Platz.
Foto: privat